Beratung und Behandlung

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Beratung

Beratungsstellen

Die erste Anlaufstelle für Betroffene sind meistens Beratungsstellen, die über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten informieren. Sie richten sich aber auch an Familienangehörige, Partnerinnen und Partner sowie andere Personen im Umfeld des Betroffenen.

Beratungsstellen bieten häufig unter Anderem

  • offene Sprechstunden, Erst- und Mehrfachgespräche
  • Krisenintervention,
  • Begegnungsangebote für Betroffene,
  • Unterstützung bei Schriftverkehr, Behördenangelegenheiten,
  • Vermittlung von Informationen über die Erkrankung und Möglichkeiten der Behandlung,
  • Gruppenangebote zur Aufklärung über die Erkrankung bzw. zu spezifischen Themen,
  • Vermittlung in eine weiterführende Behandlung,
  • Informationen über weiterführende Hilfen (z.B. Schuldnerberatung, Rechtsberatung).

Nutzen Sie unsere Suchfunktion Hilfe finden!, um entsprechende Beratungsangebote in Berlin zu finden.

Beratungshotlines

Eine telefonische Erstberatung können Sie über folgende Hotlines erhalten. Teilweise werden auch Telefonberatungen in türkischer oder russischer Sprache angeboten (s.u.):

Glücksspielsucht

  • AG Spielsucht, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité - Universitätsmedizin Berlin: 030 450 617 333
  • DLTB-Telefonberatung zur Glücksspielsucht in Kooperation mit der BZgA: 0800 1 37 27 00
  • Telefonberatung in türkischer Sprache für Glücksspielsüchtige und Angehörige der Landeskoordinierungsstelle NRW: 0800 32 64 762 (kostenfreie Servicenummer)
  • Telefonberatung in russischer Sprache für Glücksspielsüchtige und Angehörige bei Step Hannover: 0511 70 14 664
  • Café Beispiellos - Beratungsstelle für Glücksspielsüchtige und deren Angehörige: 030 66 63 39 55 (Telefonische Terminvergabe)

Exzessive Internetnutzung

  • AG Spielsucht, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité - Universitätsmedizin Berlin: 030 450 617 333
  • Ambulanz für Spielsucht, Universitätsmedizin Mainz: 0800 1 529 529
  • Lost in Space - Beratungsstelle für Computerspielsüchtige und Internetsüchtige in Berlin: 030 6 66 33 9 59 (Telefonische Terminvergabe)

Schuldnerberatung

Insbesondere mit Blick auf finanzielle und existentielle Fragen kann es sinnvoll sein, neben einer spezifischen Beratungsstelle auch eine allgemeine Schuldnerberatung aufzusuchen. Weiterführende Informationen hierzu finden Sie unter http://www.schuldnerberatung-berlin.de

Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen können ebenfalls ein erster Anlaufpunkt für Betroffene und Angehörige sein und bieten häufig auch eine individuelle Beratung für Betroffene. In Selbsthilfegruppen finden sich Menschen, die unter der Problemsituation leiden, und ermöglichen es den Teilnehmern sich im gemeinsamen Austausch das Wissen und die Kompetenz anzueignen, um die eigenen Probleme besser zu bewältigen. In der Regel finden Selbsthilfegruppen in Gesprächskreisen von 7-15 Personen zu festen Terminen (z. B. wöchentlich, 14-tägig) statt. Einige Selbsthilfegruppen werden von professionellen Helfern geleitet, meist arbeiten die Teilnehmer jedoch selbstbestimmt. Selbsthilfegruppen ermöglichen es, sich mit anderen Betroffenen auf Augenhöhe auszutauschen, und sich gegenseitig bei der Bewältigung von Schwierigkeiten zu unterstützen, neue Kenntnisse über die persönliche Problemsituation zu erwerben, neue Lösungswege zu entwickeln und soziale Isolierung und Ängste abzubauen.

Nutzen Sie unsere Suchfunktion Hilfe finden!, um entsprechende Selbsthifegruppen in Berlin zu finden.


Rehabilitation

Glücksspielsucht und verwandte Störungen gehen häufig mit Beeinträchtigungen in verschiedenen Lebensbereichen (z. B. soziale Beziehungen, Arbeitsleben) einher. Daher kann eine stationäre oder ambulante Rehabilitation erfolgen, um eine stabile Abstinenz zu erreichen (Entwöhnung), bestehende körperliche und seelische Störungen zu behandeln und möglichst dauerhaft die Eingliederung in Arbeit, Beruf und Gesellschaft zu erhalten. Eine Rehabilitationsbehandlung (Entwöhnungsbehandlung) kann in einer anerkannten Beratungsstelle oder Fachambulanz (ambulante Rehabilitation), einer Tagesklinik (teilstationäre Rehabilitation) oder in einer spezialisierten Fachklinik (stationäre Rehabilitation) erfolgen. Die Kosten der Entwöhnungsbehandlung trägt entweder der zuständige Rentenversicherungsträger oder auch die Krankenkasse bzw. der Sozialhilfeträger. Betroffene sollten sich zunächst über eine mögliche Rehabilitationsbehandlung beraten lassen. Eine qualifizierte Beratung ist bei entsprechenden Beratungsstellen, sozialen Diensten und teilweise auch bei Selbsthilfegruppen möglich. Diese Beratungsstellen helfen Betroffenen bei der Antragsstellung und vermitteln in entsprechende Einrichtungen für stationäre oder ambulante Rehabilitation.

Vor einer Rehabilitationsbehandlung müssen ein medizinisches Gutachten, das die Notwendigkeit der Entwöhnungsbehandlung bestätigt, und ein Sozialbericht erstellt werden. Danach erfolgt ein förmlicher Antrag beim Leistungsträger (z. B. Rentenversicherung). Über den Antrag muss binnen sechs Wochen entschieden sein (Bewilligungsverfahren), in besonderen Fällen ist ein Eilverfahren möglich. Sind alle diese Voraussetzungen gegeben, muss der Leistungsträger die Maßnahme bewilligen. Fehlt es an der günstigen Prognose zur Wiedereingliederung in das Erwerbsleben, müssen Krankenkasse oder Sozialhilfe die Behandlung finanzieren. Eine ablehnende Entscheidung muss begründet sein, gegen diese ist (kostenfrei) Widerspruch möglich.

Ambulante Rehabilitation

Ambulante Leistungen der Rehabilitation werden in Wohnortnähe erbracht, wodurch die Rehabilitanden im beruflichen und sozialen Umfeld verbleiben und dies therapeutisch genutzt werden kann.

Die wesentlichen Elemente der ambulanten Rehabilitation sind:

  • therapeutische Gruppen- und Einzelgespräche
  • Einbeziehung von Bezugspersonen

Bei bestehendem Bedarf kommen im Rahmen der ambulanten Rehabilitation begleitend folgende Rehabilitationsangebote in Betracht:

  • medizinische Behandlung
  • sozialrechtliche Beratung
  • Beratung zur Teilhabe am Arbeitsleben und am Leben in der Gemeinschaft
  • Gesundheitsbildung
  • Ergotherapie und Kreativtherapie
  • Sport- und Bewegungstherapie
  • Entspannungsverfahren
  • Ernährungsberatung

Die Dauer der ambulanten Rehabilitation richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen des Betroffenen. In der Regel werden in einem Zeitraum bis zu 12 Monaten 2-3 Mal wöchentlich therapeutische Einzel- und Gruppengespräche sowie Gespräche mit Angehörigen und Bezugspersonen durchgeführt.

Stationäre Rehabilitation

Die stationäre Behandlung dauert in der Regel etwa 3 Monate, im Einzelfall auch länger, und erfolgt in einer entsprechenden (Fach-)Klinik, bei Bedarf schließt sich eine Adaptionsbehandlung als zweite Phase zur Unterstützung der Reintegration an. Elemente und Inhalte der stationären Rehabilitation entsprechen im Wesentlichen denen der ambulanten Rehabilitation. Das therapeutische Angebot umfasst tägliche Gruppen- und Einzelgespräche sowie andere Angebote der Rehabilitation.

Über unsere Suchfunktion Hilfe finden!, können Sie gezielt nach Beratungsstellen in Berlin suchen, die eine ambulante Rehabilitation anbieten oder in eine stationäre Rehabilitation vermitteln.


Psychotherapie

Glücksspielsucht und exzessive Internetnutzung sind mit einer Vielzahl von negativen Folgen in verschiedenen Lebensbereichen verbunden, belasten die Betroffenen und deren Angehörige und können so zu seelischen Krisen und Erkrankungen führen. Unter Psychotherapie versteht man die Behandlung von psychischen Störungen mit Krankheitswert, dazu zählen unter anderem Depressionen, Ängste, Süchte, Essstörungen, Zwänge oder psychosomatische Erkrankungen. Im psychotherapeutischen Gespräch und mit psychologischen Methoden wie z. B. Entspannungsverfahren werden Störungen des Denkens, Handelns und Erlebens identifiziert und therapiert. Die Betroffenen sollen lernen, sich selbst zu verstehen, werden ermutigt, sich ihren Problemen zu stellen, neue Sichtweisen zu entwickeln und an der Lösung ihrer Probleme zu arbeiten.

Eine Psychotherapie erfolgt in der Regel bei einem niedergelassenen Therapeuten. Die Dauer der Psychotherapie richtet sich nach dem Bedarf des Betroffenen. In der Regel finden wöchentliche therapeutische Gespräche über einen Zeitraum von ca. 12-24 Monaten statt.

Über unsere Suchfunktion Hilfe finden!, können Sie gezielt nach niedergelassenen Therapeuten suchen, die eine ambulante Psychotherapie für Glücksspielsucht oder exzessive Internetnutzung anbieten.

Psychotherapieformen

Die verschiedenen psychotherapeutischen Verfahren unterscheiden sich sowohl hinsichtlich ihres Verständnisses der Entstehung von psychischen Krankheiten als auch in ihrem Therapiekonzept und der Haltung des Psychotherapeuten. Von den gesetzlichen Krankenkassen werden zurzeit folgende 3 Verfahren erstattet: die Verhaltenstherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sowie die analytische Psychotherapie. Im Folgenden werden die am weitesten verbreiteten Psychotherapieformen kurz vorgestellt:

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass Menschen ihr Verhalten und Erleben durch Erfahrungen im Laufe ihres Lebens erlernen. Eine psychische Krankheit entsteht dann, wenn die erlernten Muster problematisch oder unangemessen sind; etwa indem sie beim Patienten oder seiner Umgebung Leidensdruck verursachen. Der Psychotherapeut erarbeitet gemeinsam mit dem Patienten neue Verhaltens- und Erlebensmuster, die der Patient mit Hilfe verschiedener Methoden einübt. Ziel ist, die negativen Muster durch positive bzw. hilfreiche Muster zu ersetzen. Die Verhaltenstherapie ist eine gedanken-, gefühls- und handlungsorientierte Therapieform und fokussiert auf das aktuelle Problem des Patienten.

Analytische Psychotherapie

Ziel der analytischen Psychotherapie ist das Bewusstmachen von verdrängten Gefühlen und Erinnerungen, die eine Entwicklung zum gesunden, selbständigen Individuum blockieren. Die Ursachen und Lösungen für gegenwärtige Probleme sind im Unbewussten und in der Vergangenheit des Patienten zu suchen. Der Patient soll im Laufe der Therapie die Konflikte von prägenden Entwicklungsphasen erneut durchleben, um sie zu verarbeiten. Dies geschieht in der systematischen Analyse von Übertragung und Gegenübertragung. Häufig angewendete Methoden sind zum Beispiel die freie Assoziation oder die Traumdeutung. Der Psychotherapeut verhält sich neutral, um als Projektionsfläche für die Emotionen des Patienten dienen zu können, so sitzt er in der Regel so, dass er für den Patienten nicht sichtbar ist. Der Patient sollte die Fähigkeit und die Bereitschaft zur Selbstanalyse mitbringen, damit psychoanalytische Therapie erfolgreich sein kann.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Diese Psychotherapieform hat sich aus der psychoanalytischen Therapie entwickelt. Das zugrunde liegende Menschenbild sowie das Verständnis der Entstehung psychischer Krankheiten sind ähnlich: Auch die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie geht davon aus, dass den aktuellen Problemen ein innerpsychischer Konflikt zugrunde liegt. Allerdings konzentriert sich die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie bei der Behandlung auf die Bearbeitung des so genannten „zentralen Konflikts“ und sucht auf dieser Basis nach möglichen Ursachen in der Persönlichkeit oder der Vergangenheit des Patienten. Der Patient soll durch Einsichten in Zusammenhänge und Ursachen seiner Probleme Veränderungen in seinem Erleben oder Verhalten anstreben, wobei ihn der Psychotherapeut aktiv unterstützt.

Gesprächspsychotherapie

Diese Therapieform wird auch als „klientenzentriert“ bezeichnet. Im Zentrum steht hierbei nicht nur die Symptomatik oder die Entwicklungsgeschichte des Patienten, sondern der Mensch als Ganzes in seiner Lebensumwelt. Es liegt ein Menschenbild zugrunde, nachdem jeder Mensch nach Selbstverwirklichung strebt und somit die Motivation und den Antrieb, an seinen Problemen zu arbeiten bereits in sich trägt. Grundlage der Gesprächspsychotherapie sind drei Variablen, die das Verhalten des Therapeuten beschreiben: Eine empathische Haltung gegenüber dem Klienten, Echtheit des Psychotherapeuten sowie eine wertungsfreie Akzeptanz des Patienten und seiner Probleme. Mit Hilfe einer klientenzentrierten Gesprächsführung, in welcher der gefühlsmäßigen Bedeutung besondere Beachtung geschenkt wird, soll der Patient sich selbst verstehen und annehmen lernen.

Gestalttherapie

In der Gestalttherapie wird ebenfalls davon ausgegangen, dass der Mensch im Grunde zum Guten und Ganzheitlichen strebt. Der Patient wird bei dieser Methode mit unvollständig verarbeiteten Erfahrungen oder unterdrückten Bedürfnissen konfrontiert, wobei sich die Therapie auf den Zustand des Patienten im hier und jetzt konzentriert. Der Psychotherapeut versucht, den Patienten zu motivieren und dabei zu unterstützen, sich seinen Problemen zu stellen und Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen. Ziel der Gestalttherapie ist die Entwicklung des Patienten zu einem ganzheitlichen Individuum, welchem alle Teile seiner Persönlichkeit, seine Gefühle und Bedürfnisse bewusst sind (die so genannte „gute Gestalt“).

Systemische Therapie

Es gibt verschiedene Formen der systemischen Therapie, alle stellen jedoch nicht nur den einzelnen Patienten in den Mittelpunkt der Behandlung, sondern beziehen auch die wichtigsten Bezugspersonen, wie etwa die Familie, sowie die Umgebung des Patienten mit ein. Eine psychische Erkrankung eines einzelnen Patienten wird als ein Symptom für eine Störung im Verhalten- oder Kommunikationsmuster des Systems, d. h. in der Familie oder auch im weiteren Umfeld gesehen. Der Psychotherapeut wird zum einen versuchen, die Störungen im System zu identifizieren und zum anderen mit dem Patienten Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Ein Beispiel für eine systemische Intervention ist die paradoxe Verschreibung. Hier wird der Patient aufgefordert, sein problematisches Verhalten beizubehalten statt zu bekämpfen, da es wichtig für die Aufrechterhaltung der vorliegenden Familienstrukturen ist. Dadurch werden die einzelnen Familienmitglieder ermutigt, sich mit ihrem Beitrag und ihrer Reaktion auf das zentrale Problem auseinander zu setzen.