Informationen für Angehörige zur Glücksspielsucht

Aus Spielsucht-Hilfe-Berlin
Version vom 20. April 2016, 12:24 Uhr von AG Spielsucht (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Was sind Glücksspiele?

Glücksspiele sind Spiele, bei denen der Spieler einen Vermögenswert (Geld, Wertgegenstände) einsetzt und die Entscheidung über Gewinn und Verlust größtenteils durch den Zufall bestimmt wird. Das Spielen erfolgt dabei nicht zweckfrei und ist anfangs auf den möglichen Gewinn ausgerichtet.

Die meisten Menschen denken beim Glücksspiel an Roulette, Geldspielautomaten und Pferdewetten, jedoch gibt es zahlreiche andere Formen von Glücksspielen:

  • Lotto (6 aus 49), Fernseh- und Klassenlotterien
  • Rubbellose
  • Keno
  • Sportwetten (Wettbüro, Internet), Fußballtoto, Oddset
  • Pferdewetten
  • Automatenspiele (Spielhallen, Gaststätten, Casino)
  • Casinospiele (Roulette, Karten- oder Würfelspiele)
  • Internetcasinospiele
  • Poker (Casino, Online)
  • Bingo
  • Tombola
  • riskante Börsenspekulationen (Day-Trading/Intraday-Trading)
  • Telegewinnspiele ("Quizfernsehen", Gewinnhotlines)


Was versteht man unter Glücksspielsucht?

Die meisten Menschen sehen ein Glücksspiel als eine Form der Unterhaltung an, andere wiederum verlieren die Kontrolle und weisen ein äußerst riskantes Konsumverhalten auf. In diesem Fall spricht man von pathologischem (krankhaftem) Spielverhalten oder auch Glücksspielsucht. Glücksspielsucht ist eine Erkrankung (stoffungebundene Sucht, Verhaltenssucht) und bestimmt das Alltagsleben der Betroffenen. Diese zeichnet sich durch ein andauerndes und wiederkehrendes Glücksspielverhalten aus, das mindestens fünf der folgenden Kennzeichen aufweist:

  • starkes Eingenommensein vom Glücksspiel
  • Erhöhung der Einsätze, um gewünschte Erregung zu erreichen
  • wiederholte Versuche, das Spiel einzuschränken/aufzugeben
  • Unruhe/Gereiztheit beim Versuch, das Glücksspielen einzuschränken/aufzugeben
  • Glücksspiel als Hilfsmittel, um Problemen/unangenehmen Gefühlen auszuweichen
  • Versuch, durch wiederholtes Glücksspielen Geldverluste auszugleichen
  • Lügen, um die Spielsucht zu vertuschen
  • Gefährdung/Verlust partnerschaftlicher Beziehungen/beruflicher Perspektiven aufgrund der Spielsucht
  • Tendenz, sich auf andere zu verlassen, um die finanzielle Sackgasse der Spielsucht zu überwinden


Welche Folgen hat eine Glücksspielsucht?

Häufig tritt die Glücksspielsucht mit anderen psychischen Erkrankungen, sogenannten komorbiden Störungen, gemeinsam auf. Diese können einerseits das pathologische Spielen auslösen oder begünstigen. Auf der anderen Seite können solche Störungen aber auch die Folge des Spielens darstellen. Hierzu zählen neben finanziellen Schwierigkeiten

  • Schuldgefühle/Schamgefühle,
  • Depressionen, psychosomatische Störungen,
  • familiäre Konflikte, Trennung, Scheidung,
  • berufliche Probleme, Arbeitsplatzverlust,
  • Verschuldung, Wohnungslosigkeit,
  • kriminelle Handlungen und
  • Selbstmordgedanken und/oder Selbstmordversuche.


Woran erkenne ich als Angehöriger, ob jemand gefährdet ist, eine Glücksspielsucht zu entwickeln?

Die Ursachen für die Entwicklung einer Glücksspielsucht sind vielfältig und bedingen sich wechselseitig. In der Regel müssen mehrere auslösende Bedingungen zusammenkommen, damit eine Glücksspielsucht entsteht. Wenn Sie eine oder mehrere der folgenden Anzeichen bei dem Betroffenen/der Betroffenen bemerken, kann dies ein Hinweis auf eine sich entwickelnde oder bereits bestehende Glücksspielsucht sein:

Der Betroffene/die Betroffene

  • hört auf anderen Aktivitäten (außer Glücksspielen) nachzugehen, die ihm/ihr zuvor Spaß gemacht haben,
  • vernachlässigt persönliche, berufliche und familiäre Verpflichtungen (z.B. Fehlen/Zuspätkommen bei der Arbeit),
  • pflegt kaum oder nur wenig soziale Kontakte außerhalb des Spielens,
  • denkt die gesamte Zeit an das Glücksspiel oder ist in sich gekehrt,
  • ist weniger bereit Geld für andere Dinge als das Glücksspiel auszugeben,
  • ist längere Zeit unerklärt nicht zu Hause oder erreichbar,
  • zieht sich von Familie und Freunden zurück,
  • wirkt abwesend oder hat Schwierigkeiten sich zu konzentrieren,
  • hat Stimmungsschwankungen oder plötzliche Wutausbrüche,
  • leidet unter Langeweile oder Unruhe,
  • scheint depressiv, besorgt oder ängstlich,
  • leiht sich häufig Geld oder erbittet Gehaltszuschüsse,
  • hat einen Nebenjob angenommen, der jedoch die finanzielle Situation nicht verbessert,
  • löst Sparbücher, Lebensversicherungen und ähnliches auf, um an Bargeld zu kommen,
  • wechselt häufig zwischen „pleite sein“ und „flüssig sein“,
  • entwendet Geld von Angehörigen, gemeinsamen Bankkonten oder verkauft Wertgegenstände,
  • verheimlicht oder verharmlost das eigene Spielverhalten (Häufigkeit, Einsatz),
  • trinkt häufiger Alkohol oder nimmt andere Drogen,
  • verändert seine Schlaf-, Ess- oder sexuellen Gewohnheiten,
  • legt weniger Wert auf sein äußeres Erscheinungsbild als früher.

Was kann ich als Angehöriger tun?

Unter der Glücksspielsucht leiden nicht nur die Betroffenen, sondern auch seine Angehörigen oder ihm nahe stehende Menschen. Häufig versuchen Angehörige alles in ihrer Macht stehende zu tun, um den Spielenden vom Spielen abzubringen oder versuchen den Betroffenen einen Teil ihrer Last abzunehmen. Doch nicht immer sind diese Bemühungen hilfreich und können auch dazu beitragen, dass die betreffende Person ihre Sucht aufrecht erhalten kann. Daher sollten Sie wenn Sie den Betroffenen in dieser Situation als schwach und hilfsbedürftig erleben, nicht versuchen, die Verantwortung für die Folgen des Glücksspielens zu übernehmen. Sie schützen und stützen damit das abhängige Verhalten des anderen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn Sie

  • dem Betroffenen Geld leihen,
  • Kredite übernehmen, offene Rechnungen bezahlen oder das überzogene Konto ausgleichen,
  • für ihn lügen (z.B. beim Arbeitgeber als krank melden, wenn er die Arbeit wegen des Spielens versäumt),
  • Vorwürfe machen oder mit Konsequenzen drohen, die nicht durchsetzbar sind oder nicht durchgesetzt werden.

Hilfreiche Maßnahmen sind:

  • sich über Glücksspielsucht informieren und professionell beraten zu lassen,
  • ein offenes Gespräch mit dem Betroffenen darüber zu führen, was sie besorgt oder bewegt,
  • dem Betroffenen Hilfsmöglichkeiten aufzeigen und ihn motivieren sich beraten zu lassen.

Das Zusammenleben mit einem Spielsüchtigen stellt eine große Belastung dar, vernachlässigen Sie daher auch nicht Ihre eigenen Bedürfnisse. Sprechen Sie mit Ihnen vertrauten Personen oder einem professionelle Berater über Ihre Situation, um sich zu entlasten. Eine Möglichkeit des Austausches bieten hier auch Selbsthilfegruppen. Angehörige glücksspielsüchtiger Menschen können für glücksspielsüchtige Menschen nicht die Entscheidung treffen, mit dem Spielen aufzuhören. Aber wenn der Glücksspielsüchtige die Entscheidung getroffen hat, können Angehörige ihn unterstützen und begleiten.

Nutzen Sie unsere Suchfunktion Hilfe finden!, um entsprechende Beratungsangebote in Berlin zu finden.

Wie kann ich Hilfe finden?

Erste Anlaufstellen für Menschen, die Probleme mit Glücksspielen haben, können Beratungsstellen sein oder Selbsthilfegruppen sein. Diese richten sich auch an Familienangehörige, Partnerinnen und Partner sowie andere Personen, die mit suchtgefährdeten oder bereits suchterkrankten Menschen zu tun haben. Nutzen Sie unsere Suchfunktion Hilfe finden!, um entsprechende Beratungsangebote in Berlin zu finden. Die Seite Beratung und Behandlung bietet weiterführende Informationen zu verschiedenen Beratungs- und Behandlungsmöglichkeiten bei Glücksspielsucht.