Informationen für Angehörige zur exzessiven Internetnutzung

Aus Spielsucht-Hilfe-Berlin
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Was versteht man unter exzessiver Internetnutzung?

Unter dem Begriff exzessive Internetnutzung werden eine Vielzahl verschiedener Aktivitäten im Internet zusammengefasst, die von Betroffenen unkontrolliert beziehungsweise exzessiv genutzt werden, sodass ihr Sozialleben und ihre seelische Gesundheit darunter leiden. Umgangssprachlich werden auch häufig die Begriffe Internetsucht oder Onlinesucht verwendet. Bisher ist allerdings nicht abschließend geklärt, ob es sich bei exzessiven Aktivitäten im Internet um eine Suchterkrankung handelt.

Haupterscheinungsformen der exzessiven Internetnutzung beziehen sich auf:

  • Computer-/Online-Spiele (z. B. Browsergames, Online-Rollenspiele)
  • Nutzung von sozialen Netzwerken (z. B. Facebook) und Chats
  • Surfen auf Erotikseiten
  • Ansehen und Sammeln von Videos bzw. Filmen (z. B. Streaming-Angebote)
  • Ausuferndes Einkaufen (z. B. Online-Auktionen)
  • Zielloses Recherchieren und Sammeln von Informationen (z. B. Online-Informationsplattformen oder Lexika)

Exzessive Internetnutzung hat im Erleben der Betroffenen viele Merkmale, die ähnlich zu Abhängigkeitserkrankungen wie der Alkoholabhängigkeit sind. So berichten die Betroffenen übereinstimmend, dass sie ihr Nutzungsverhalten nicht mehr kontrollieren, einschränken oder aufgeben können, auch wenn damit gravierende negative Konsequenzen in allen Lebensbereichen (Familie, Ausbildung, Beruf, soziale Beziehungen) verbunden sind.


Welche Ursachen hat eine exzessive Internetnutzung?

Aufgrund der Vielzahl der Erscheinungsformen exzessiver Internetnutzung sind die Ursachen für die Entstehung noch nicht vollständig geklärt. Es ist jedoch anzunehmen, dass verschiedene Risikofaktoren an der Entstehung exzessiver Internetnutzung beteiligt sind. Häufig spielt ein Rückzug in die virtuelle Welt als Flucht vor realen Problemen und Schwierigkeiten eine Rolle bei der Entstehung exzessiver Internetnutzung. In der Ersatzwelt des Internets werden Betroffene nicht mit ihren Ängsten und Unsicherheiten konfrontiert und haben verschiedene Möglichkeiten, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Hinter einer exzessiven Internetnutzung verbergen sich häufig auch andere psychische Probleme und Schwierigkeiten.


Woran erkenne ich eine exzessive Internetnutzung?

Es gibt keinen bestimmten Zeitpunkt oder eine bestimmte Nutzungsdauer, die aussagt, ob jemand exzessiv das Internet nutzt. Es ist vielmehr die Summe mehrerer Kriterien, die zu einer solchen Einschätzung führen. Exzessive Internetnutzung äußert sich (in schleichenden) Veränderungen im Verhalten und dem Gefühlserleben der Betroffen. Die wichtigsten Hinweise auf eine Internetsucht sind: Der Betroffene/die Betroffene ...

  • hört auf, anderen Aktivitäten (außer im Internet) nachzugehen, die ihm/ihr zuvor Spaß gemacht haben
  • vernachlässigt persönliche, berufliche und familiäre Verpflichtungen (z.B. Fehlen/Zuspätkommen bei der Arbeit/Schule)
  • verändert seine Schlaf-, Ess- oder sexuellen Gewohnheiten
  • vernachlässigt sein äußeres Erscheinungsbild
  • ist ständig gedanklich mit dem Internet beschäftigt (auch wenn er/sie es gerade nicht nutzt)
  • verschließt sich/zieht sich von Familie und Freunden zurück
  • wirkt abwesend oder hat Schwierigkeiten sich zu konzentrieren
  • hat Stimmungsschwankungen oder plötzliche Wutausbrüche
  • leidet unter Langeweile oder Unruhe
  • scheint depressiv, besorgt oder ängstlich

Wie kann ich Hilfe finden?

Erste Anlaufstellen für Menschen, die Probleme mit exzessiver Internetnutzung haben, können Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen sein. Diese richten sich auch an Familienangehörige, Partnerinnen und Partner sowie andere Personen. Nutzen Sie unsere Suchfunktion Hilfe finden!, um entsprechende Beratungsangebote in Berlin zu finden. Die Seite Beratung und Behandlung bietet weiterführende Informationen zu verschiedenen Beratungs- und Behandlungsmöglichkeiten bei exzessiver Internetnutzung.